Auf dieser Seite werden Projekte dargestellt, die durch freiwillige Förderungen von Städten, Kommunen und Privatpersonen umgesetzt werden können.
Der BSVSB e.V. ist gemeinnützig tätig. Wir erhalten keine staatliche Unterstützung und leben einzig von Spenden und freiwilligen Förderbeiträgen.
Wie barrierefrei ist der ÖPNV in Südbaden?
Das anvisierte Ziel steht bei uns für die Fragestellung "Wie barrierefrei ist der ÖPNV in Südbaden?" Zu diesem Punkt werden mehrere Veranstaltungen für die Öffentlichkeit durchgeführt.
Der BSVSB e.V. beteiligt sich mit seinen Mitgliedern regelmäßig an Testbegehungen bei neu geplanten Standorten von Behörden und Ämtern und sichtet dort die örtliche Situation in Bezug auf die barrierefreie Erreichbarkeit.
Am 06. Juni,, dem jährlich stattfindenden bundesweiten Tag der Sehbehinderten, schaltet der BSVSB mehrere Presseaktionen zum Thema „Wo stehen wir bei der Planung des barrierefreien ÖPNV?“. Gleichzeitig werden Presseartikel mit dem Titel „Digitale Barrieren melden“ geschaltet, die beim Thema des barrierefreien ÖPNV die digitale Komponente mit einbeziehen, wonach öffentliche Stellen verpflichtet sind, deren Inhalte auf Webseiten barrierefrei zu gestalten.
Wie finden blinde Menschen den richtigen Bus und die richtige Straßenbahn?
In Freiburg wurde gemeinsam mit der Freiburger Verkehrs-AG eine App entwickelt, die speziell für blinde und sehbehinderte Fahrgäste und für Fahrgäste mit weiteren Körper- oder Sinnesbehinderungen konzipiert wurde. Mit dieser App ist es möglich, einfahrende Fahrzeuge mit deren Liniennummer und Angabe der Fahrtrichtung auf einem Smartphone zu identifizieren, so dass Personen, welche die Aufschriften auf Bussen und Bahnen optisch nicht wahrnehmen können, über die Identifizierung des Fahrzeuges in Kenntnis gesetzt werden. Zusätzlich kann über die App ein Haltewunsch und ein akustisches Türfindesignal ausgelöst werden.
Diese App mit Namen „VAG-Radar“ konnte durch unser selbst betroffenes Personal in deren Entwicklung begleitet werden, wobei die Finanzierung der App natürlich der VAG vorbehalten blieb.
Tag der Offenen Tür
Am 15.10., dem jährlich stattfindenden internationalen „Tag des weißen Stockes“ veranstaltet der BSVSB e.V. in seiner Beratungsstelle in Freiburg regelmäßig einen „Tag der Offenen Tür“. Neben einschlägigen Hilfsmittelherstellern nutzen wir die Möglichkeit, mit blinden und sehbehinderten Menschen und mit Vertretern der Verkehrsbetriebe aus den einzelnen Regionen Südbadens die derzeitige Situation im Personennahverkehr zu skizzieren und Verbesserungswünsche aufzunehmen.
Fachteam „Umwelt und Verkehr“
Im November 2022 wurde aus den zuvor beschriebenen Aktivitäten heraus innerhalb des BSVSB e.V. das Fachteam „Umwelt und Verkehr“ ins Leben gerufen. In diesem Team sind derzeit (Stand 08/2025) elf Teilnehmende aus Südbaden versammelt. Aus deren eigener Betroffenheit heraus führen die beteiligten Teammitglieder Informationen aus deren örtlichem Umfeld innerhalb des Teams zusammen. Gemeinsam soll überlegt werden, ob die örtlichen Situationen für blinde und sehbehinderte Verkehrsteilnehmer barrierefrei gestaltet sind, in welchen Bereichen Verbesserungen angebracht sind und wo es Nachbesserungsbedarfe gibt.
Das Ziel einer vollständigen Barrierefreiheit des ÖPNV wurde bislang nicht erreicht. Durch die Zuschussmittel ist der BSVSB in die Lage versetzt worden, seine ehrenamtlichen Helfer, die sich als Multiplikatoren zur Mitarbeit bereit erklärt haben, in den entsprechenden DIN-Vorschriften zu schulen und in Sachen der barrierefreien Bauplanung durch professionelle Kräfte einweisen zu lassen.
Sprechende Haushaltsgeräte
Der BSVSB e.V. betreibt in seinem Beratungszentrum in Freiburg eine Lehrküche. In dieser Lehrküche werden kürzlich neu erblindete und von einer Sehbehinderung betroffene Menschen von anderen, gleich betroffenen Personen unter fachkundiger Anleitung in die Grundlagen einer selbständigen Haushaltsführung eingewiesen.
Ziel dieser Einweisung ist es, im Rahmen eines Pear-Counceling-Verfahrens – also Hilfe von Betroffenen für Betroffene – gerade dem Personenkreis, welcher erst seit kurzer Zeit von Blindheit oder Sehbehinderung betroffen wurde, wieder mehr Lebensmut zu machen. Dazu gehört unserer Ansicht nach auch die Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins und hier insbesondere eine Hilfestellung für die Wiedererlangung einer selbständigen Haushaltsführung.
Wir erleben es immer wieder, dass Personen, einzig wegen der eingetretenen Sehbehinderung, in ein Seniorenheim umziehen und die eigene Wohnung aufgeben. Wird diesem Personenkreis zeitnah Hilfestellung angeboten, kann die vorzeitige Aufgabe der eigenen Wohnung in den meisten Fällen vermieden werden.
In unserer Lehrküche möchten wir für diese Zwecke barrierefreie Haushaltsgeräte vorhalten. Bislang verfügten wir über Geräte, die wir mit fühlbaren Markierungspunkten ausstatten mussten. Diese Punkte werden auf die Drehschalter aufgeklebt und dadurch kann die Position eines Drehknopfes zur Einstellung von Temperaturen oder beispielsweise für die Auswahl der gewünschten Waschprogramme erkannt werden.
Durch eine neue Möglichkeit, Haushaltsgeräte mit einer Sprachausgabe auszustatten, können fast alle Haushaltsgeräte barrierefrei bedienbar gemacht werden.
Es fängt damit an, dass z.B. der Ofen ansagt: "Türe offen", wenn die Ofentür offensteht. Sobald der Benutzer an einem Drehschalter dreht, sagt die Stimme: Backtemperatur 120 Grad", oder "Heißluft" oder "Unter- und Oberhitze". Bei der Waschmaschine und dem Wäschetrockner werden ebenfalls alle Funktionen per Sprache angesagt, so dass die Bedienung dieser Geräte auch von Menschen ohne Sehvermögen uneingeschränkt durchgeführt werden kann.
Unterricht zur selbständigen Haushaltsführung
Die besten Geräte nützen nichts, wenn blinde und sehbehinderte Menschen sich im Haushalt nicht zurechtfinden. Dem können wir abhelfen!
In Südbaden gibt es eine spezielle Fachkraft für lebenspraktische Fähigkeiten. Gemeinsam mit dieser Fachkraft bieten wir für neuerblindete und kürzlich sehbehindert gewordene Personen so genannte „Schnupperkurse“ zur selbständigen Haushaltsführung an.
Ein derartiger Schnupperkurs besteht aus einer Ganztagesschulung. Innerhalb dieser Schulung wird den Betroffenen ein Abriss über die unterschiedlichen Techniken zur Wiedererlangung der Selbständigkeit im Haushalt vermittelt. Ziel dieses eintägigen Schnupperkurses ist die Vorbereitung auf eine mehrtägige Einzelschulung zur Intensivierung der vorgestellten Themen. Bei dieser mehrtägigen Schulung können einzelne Lernbereiche, die in der Eintagesveranstaltung vorgestellt wurden, weiter vertieft werden.
Aus unseren Spendengeldern wird bei dieser Maßnahme der erste Einführungstag, also der Schnupperkurs, finanziert, bei dem eine Gesamtübersicht über die verschiedenen Lernbereiche gegeben werden soll. Für die mehrtägigen Intensivkurse kommen im Anschluss entweder die jeweiligen Krankenkassen der Betroffenen oder die Träger der Sozialhilfe auf.
Der erste Schulungstag wird als Einführungstag für eine Gruppe von vier bis sechs Aspiranten angeboten. Einen solchen Tag zur Vorstellung des gesamten Schulungskonzeptes finanzieren die gesetzlichen Kostenträger leider nicht, so dass diese Tagesveranstaltung als Aufmacher und als Mutmacher für die Betroffenen aus Spenden finanziert wird, um den Betroffenen einen Überblick über die Angebote im Rehabilitationsbereich zu geben.
Unter dem Begriff „Lebenspraktische Fähigkeiten“ (LPF) versteht man den Weg zum Erhalt der Selbstständigkeit durch das Erlernen von alltäglich anfallenden Handgriffen und Techniken zu Hause oder im Arbeitsbereich.
Je nach Bedarf umfassen individuelle Einzelschulungen beispielsweise:
- Im Bereich der Ernährung: Selbstständiges Zubereiten von Gerichten, Schiebe- und Schneidetechnik, Eingießen, Brot bestreichen, Servieren von Essen, Bedienung von Elektroherd, Backofen oder Mikrowelle, Einsatz geeigneter Hilfsmittel usw.
- Im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung: Einkaufs- Strategien, Geldunterscheidung, Sortieren von Gewürzen, Ordnung halten in Küche und Badezimmer, systematisches Reinigen der Wohnung, Wäschewaschen, Sortierung und Markierung der Kleidung und Schuhe, Dosierung von Medikamenten, Licht und Beleuchtung, Kontraste usw.
- Im Bereich der Körperhygiene und -pflege: z.B. Duschen, Zähne putzen, Haarpflege, Rasieren, Nagelpflege, An- und Auskleiden usw.
- Im Bereich Nähen: Faden einfädeln, Knöpfe annähen, Verschlüsse, Nähen mit der Nähmaschine usw.
- Im Bereich der häuslichen Reparaturen: Umgang mit verschiedenen Werkzeugen, Schrauben eindrehen usw.
- Im Bereich der Kommunikation: Selbstständige Bedienung des Telefons, Unterschrift leisten, Sortieren der eigenen Post und Dokumente, Arbeitsplatzorganisation usw.
Auch Menschen, die erst kürzlich von einer Sehbehinderung oder Erblindung betroffen sind, bekommen dadurch die Möglichkeit, ihren Haushalt weitestgehend selbstständig weiterzuführen, damit ein Umzug in ein Pflegeheim nicht die letzte Lösung sein muss.