Hotline 0761 36122

Fahrräder stören das Blindenleitsystem in der Freiburger Innenstadt

Badische Zeitung vom 09.05.2019

Die weißen Streifen an den Straßenbahnhaltestellen in Freiburg dienen blinden Menschen als Orientierung. Oft sind sie jedoch mit Fahrrädern zugestellt. Das soll sich jetzt ändern.

Fahrräder blockieren die weißen Streifen im Pflaster, die Sehbehinderten und Blinden bei der Orientierung in der Stadt helfen. Die VAG hat jetzt falsch abgestellte Räder wie hier in der Bertoldstraße markiert. Foto: Thomas Kunz

Fahrräder blockieren die weißen Streifen im Pflaster, die Sehbehinderten und Blinden bei der Orientierung in der Stadt helfen. Die VAG hat jetzt falsch abgestellte Räder wie hier in der Bertoldstraße markiert. Foto: Thomas Kunz

Nein, die weißen Streifen an den Straßenbahnhaltestellen sind keine Abstandshalter. Das sind Blindenleitsysteme. Sie dienen blinden und sehbehinderten Menschen als Orientierung – und sind häufig mit Fahrrädern zugestellt. Das soll sich ändern.

Vor einem Jahr hat die Freiburger Verkehrs-AG (VAG) so genannte taktile Streifen an der Haltestelle Stadttheater eingebaut. Die weiße Farbe heben sie sich vom Straßenbelag ab. "Durch die Kontraste können sich Personen mit Sehbehinderung besser zurechtfinden", erklärt Mischa Knebel, Vorsitzender des Freiburger Blinden- und Sehbehindertenvereins (Anmerkung des BSVSB: Herr Knebel ist Geschäftsführer der Vereinsgeschäftsstelle, nicht Vorsitzender des Vereins), gestern Nachmittag bei einer Pressekonferenz an der Haltestelle am Stadttheater. Mit dabei sind auch Vertreter der Stadt und der Freiburger Verkehrsbetriebe.

Die weißen Streifen dienen blinden Menschen als Orientierung

Die Rillen und die Noppen in den weißen Streifen sind für blinde Menschen mit einem Langstock gedacht. Die Rillen leiten sie zu einer Straßenüberquerung oder zu einem Einstiegsfeld für öffentliche Verkehrsmittel. Die meist viereckigen Noppenfelder weisen auf eine Abzweigung oder einen Richtungswechsel hin. "Die Leitsysteme dienen dazu, Sicherheit zu geben", so Knebel, an einer Haltestelle etwa oder bei der Straßenüberquerung. "Vielen Menschen ist der Sinn dieser Streifen gar nicht bewusst", sagt VAG-Vorstand Oliver Benz. Oft seien sie in Eile oder mit dem Kopf schon im Büro. Dann stellten sie ihr Rad auf einen nur scheinbar freien Fahrradstellplatz.

Auch die Straßenbahnfahrer hätten ein "mulmiges Gefühl", wenn sie auf eine Haltestelle zusteuern, an der viele Räder abgestellt sind. "An der Haltestelle den Fahrrädern auszuweichen ist schwierig", sagt Mischa Knebel. Sicherheit können die weißen Streifen eben nur geben, wenn sie auch frei sind. Immer wieder folgen Menschen mit Sehbehinderung den Leitlinien und laufen in ein Reklameschild, einen Mülleimer oder eben ein Fahrrad. "Unsere Mitarbeiter vor Ort sprechen die Radfahrer immer wieder darauf an", sagt Rene Funk vom Amt für öffentliche Ordnung. Kaum einer mache das absichtlich. "Nur in Ausnahmefällen setzen wir die Fahrräder relativ nah um." Statt die Leute zu verwarnen oder ihnen Strafen aufzuerlegen, setzen Stadt und VAG aber nun auf eine andere Lösung.

Nach vier Wochen wird das Fahrrad entfernt

"Wir binden eine Manschette an die Fahrräder", erklärt VAG-Vorstand Stephan Bartosch. Die ist rot und weiß und weist den Verkehrsteilnehmer darauf hin, worum es sich bei den weißen Pflastersteinen handelt. Steht ein Fahrrad vier Wochen später immer noch dort, entferne es der Gemeindevollzugsdienst. "Die Stadt und die VAG arbeiten da sehr gut zusammen", so Rene Funk.

Und Sarah Baumgart, die städtische Behindertenbeauftragte, sagt: "Wir wollen dafür sensibilisieren, dass es sich bei den weißen Streifen um ein Informationssystem handelt". Die Aktion soll ein Appell sein an alle Fahrradfahrenden, an ein "Gemeinschafts- und Solidaritätsgefühl", so Mischa Knebel. Und er bittet: "Helft uns dabei, dass wir uns sicher im Straßenverkehr bewegen können."

Zurück