Wie kommt man ohne zu sehen im Alltag zurecht? Einen Einblick in das Leben von einem Blinden haben Schülerinnen der Offenburger Klosterrealschule bei einem Workshop erhalten.
Offenburg. Die Schülerinnen der R8b der Klosterschule Offenburg durften erfahren, wie sich Blinde und Sehbehinderte im Alltag zurechtfinden. Dafür hat der Sehbehinderten- und Blindenverein der Bezirksgruppe Ortenau unter der Leitung von Stefan Rendler einen Workshop organisiert. Am Workshop beteiligt waren zudem Tanja Schmidt, Reha-Lehrerin für lebenspraktische Fähigkeiten im südbadischen Raum, Anita Diebold, Behindertenbeauftragte im Ortenaukreis und Leiterin des Expertengremiums des Landratsamts, sowie Andreas Stiefel, der noch zwei Prozent Sehkraft besitzt. Anlass für den Besuch war, dass die Deutschlehrerin mit der Klasse das Buch „Der verlorene Blick“ von Jana Frey lesen will. Vor der Lektüre sollten die Schülerinnen für das Thema Sehbehinderung sensibilisiert werden, um Alltagssituationen aus der Perspektive blinder und sehbehinderter Menschen zu erleben.
Hund und Schrift
Zuerst gab es eine theoretische Einführung in die Blindenschrift (Brailleschrift). Es wurde erklärt, wer diese entwickelt hat und wie diese funktioniert. Danach wurde der Blindenhund Elias, eine sehende Begleitung, vorgestellt und erzählt, wie der Hund im Alltag eines Blinden zum Einsatz kommt. Er macht etwa auf Ampeln aufmerksam, umgeht Hindernisse und macht den breitesten Weg für Blinde aus findig. Außerdem wurde das Blindenleitsystem erklärt und darauf hingewiesen, wie schwierig es für Blinde ist, sich zu orientieren, wenn Koffer oder Menschen auf diesem Leitsystem stehen und es dadurch unabsichtlich versperren. Danach hat die Klasse weitere Hilfsmittel für Blinde kennengelernt, wie eine KI-App, welche Bilder beschreiben kann, die Log-ID-Ampel, um sicher über Straßenkreuzung Die Klasse R8b der Klosterschule mit Andreas Stiefel (links), Tanja Schmidt und Stefan Rendler. Rechts steht die Deutschlehrerin Désirée Möndel. Fotos: Schule sie, wie man Geldscheine und Münzen voneinander unterscheidet. gen zu gelangen, und die Firma Feelware, welche sprechende Haushaltsgeräte für blinde und sehbehinderte Menschen herstellt. So können blinde oder sehbehinderte Menschen einen Herd oder eine Waschmaschine bedienen und so Selbstständigkeit behalten. Nach diesem theoretischen Block folgte ein praktischer Teil, den Tanja Schmidt durchgeführt hat. Die Schülerinnen haben Simulationsbrillen erhalten, um sich in die Lage eines Sehgeschädigten zu versetzen und verschiedene Augenkrankheiten nachzuahmen. Anschließend haben sie Augenbinden oder die Simulationsbrille aufgezogen und gelernt, wie man sich Wasser in einen Becher einschenkt. Im Anschluss daran lernten Zunächst wird der Blindenstock erklärt, bevor die Schülerinnen über den Schulhof laufen. Die größte Herausforderung war es, sich mit einem Blindenstock auf dem Schulhof zurechtzufinden. Besonders schwer war es, Treppen auf- oder abzulaufen. „Ich hatte Angst, die Orientierung zu verlieren“, sagte eine Schülerin anschließend.
Interessante Erfahrung
Nach diesem Tag konnten sich die Schülerinnen besser in die Blinden- und Sehbehinderten hineinversetzen. Alles in allem war es eine sehr interessante Erfahrung, an die sich alle gerne zurückerinnern. Die Teilnehmerinnen haben größten Respekt vor allen Blinden und Sehbehinderten, die es schaffen, ihren Alltag zu bewältigen.
INFO: Wer ebenfalls Interesse an einem Workshop oder einem Empathie-tag hat, den der Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden ebenfalls anbietet, kann sich bei Stefan Rendler melden unter Telefon 0174/3233263 oder per E-Mail an stefan.rendler@outlook.de