Eine besondere Art der Begegnung mit der Natur
Eine besondere Art der Begegnung mit der Natur
Unter dem Motto Natur im Wandel, Bedrohungen, Krisen und Chancen, traf sich am 06.09.2025 eine Gruppe, bestehend aus 14 Personen, bei schönstem Spätsommerwetter vor dem Radolfzeller Bahnhof. Der Bund für Umwelt und Naturschutz hatte uns eingeladen, denn es gibt seit kurzer Zeit Führungen, die speziell für unseren Personenkreis konzipiert wurden. Die Hälfte der Gruppe bestand aus Begleitpersonen, so dass die Verteilung kein Problem war. Vom Busbahnhof aus fuhren wir mit dem Bus nach Möggingen zum Naturkundemuseum. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Baden-Württemberg hat dort seinen Hauptsitz. Die Ausstellung „Natur im Wandel! Bedrohungen, Krisen und Chancen“ wird von Herrn Christoph Hardwick geleitet. Dieser begrüßte uns und zeigte uns zunächst einen kleinen Film über den Mindelsee mit guten Erklärungen und Geräuschen. Zum Tasten gab es zwei Nachbildungen von jeweils einem Ei einer Stockente und eines Weißstorchs. In der Eiersammlung befindet sich auch ein ausgeblasenes Ei eines Höckerschwans.
Auf einer Wachsmatrize durften wir jeweils den Fußabdruck des Weißstorchs und der Stockente betasten.
Des Weiteren gab es noch echte Fälle zu bestaunen. Einen kleinen Ausschnitt eines Feldhasenfells und ein komplettes Fuchsfell durften wir befühlen.
Bevor wir die Ausstellung verließen, gab es noch die Möglichkeit, einen vertieften, miniaturisierten Abdruck des Sees an einer Wand zu ertasten. Danach ging es auf eine kleine Runde in Richtung See. Der Mindelsee ist ein Gletscherzungensee auf der Halbinsel Bodanrück auf den Gemarkungen Möggingen und Markelfingen im östlichen Gemeindegebiet von Radolfzell. Er hat eine Fläche von 102 Hektar und liegt 409 Meter über dem Meeresspiegel. Die tiefste Stelle beträgt 14 Meter. Mit einer Breite von 560 Metern und einer Länge von 2,17 Kilometern bietet er den Verschiedensten Tieren und Pflanzen ein Zuhause. Hier gab es insgesamt 3 Stationen zu erkunden.
1. Die Streuobstwiese. Es handelt sich um hochstämmige Bäume. Diese sind schwerer zu ernten, bieten aber mehr Lebensraum für Tiere als die niedrig stämmigen Bäume, die extra für die jeweilige Obsternte angepflanzt werden. Wir durften verschiedene Bäume ertasten, ganz junge oder auch alte, die schon mit Rissen und Astlöchern übersäht waren. An dieser Station bekamen wir 3 alte Apfelsorten zu probieren: Den Gravensteiner, den Gala und den Santana.
2. Der Steg. Hier konnten wir leider nicht durch das Schilf zum Steg, weil der Mindelsee sehr viel Wasser vom letzten großen Regen hatte. An dieser Station bekamen wir die Information, dass Störche nicht nur Frösche auf ihrem Speiseplan haben, sondern sich hauptsächlich von Mäusen ernähren. Die Moorwiesen werden von Schafen beweidet, damit auch hier die Artenvielfalt gewährleistet wird.
3. Der Tümpel. an unserem letzten halt bekamen wir 3 unterschiedliche Tierstimmen zu hören. ein Rotkehlchen, den Schrei eines Milans und das Schnaufen eines Igels. Die Tümpel müssen regelmäßig freigeschnitten werden, damit sie nicht Versanden um Libellen und anderen Insektenarten den Zugang zum Wasser nicht zu verwehren.
Nachdem wir unseren kleinen Rundgang beendet hatten, kamen wir zurück zu den Ausstellungsräumen. Dort gab es noch die Möglichkeit Kaffee und Kuchen zu genießen. Hier erfuhren wir noch, dass der Klimawandel gerade für die sogenannten Weitstreckenflieger unter den Vögeln ein riesiges Problem darstellt. Sie fliegen nach alter Gewohnheit von Afrika nach Norden und kommen „eigentlich“ schon zu spät dort an, um ihre Jungen ausreichend zu ernähren, damit sie den Rückweg unbeschadet überstehen. Der Gabentisch ist so zu sagen schon fast abgeräumt. Alles in allem ist es eine Frage von Sensibilität und Fingerspitzengefühl das Biotop Mindelsee zu erhalten. Es gelingt nur, weil wir die Uferweiden von Schafen beweiden lassen und nur im äußersten Notfall eingreifen, sagt Christopher Hardwick. Die Bäume werden fachgerecht beschnitten, so dass Vögel und Insekten sich an der Rinde und den Stämmen gütlich tun können. Interessant waren auch die Informationen zum Bieber. Habt Ihr gewusst, dass sich in den Vorderzähnen eingelagertes Eisen befindet? Hier raus hat er die Kraft ganze Baumstämme zu zernagen. Hierzu bekamen wir einen kleinen Teil des Unterkiefers zu tasten, einige abgenagte Baumstümpfe und ein komplettes Biberfell.
Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass es nur eine Familie gibt, die den Mindelsee befischen darf. Dieses Fangrecht wird nur aus alter Tradition gewährt. Bevor wir wieder zurück nach Radolfzell fuhren, verabschiedeten wir uns von Herrn Hardwick. Er versicherte uns, dass auch andere Gruppen herzlich willkommen sind. Die Gruppengröße sollte die Anzahl von 25 Personen jedoch nicht übersteigen, Begleitpersonen eingeschlossen.
Anita Bornemann und Michael Haaga