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Antworten der Kandidaten im Wahlkreis 58 - Lörrach

Dipl. Ing Dietmar Ferger - Basisdemokratische Partei Deutschland

Sehr geehrter Herr Knebel,
Sehr geehrter Herr Schäfers,

 

dieBasis will Politik auf der Grundlage der vier Prinzipien (die wir "Säulen" nennen) Freiheit, Machtbegrenzung, Achtsamkeit und Schwarmintelligenz gestalten.

 

Die Achtsamkeit ist im mitmenschlichen Umgang entscheidend, und zur Achtsamkeit gehört selbstverständlich, dass ich Ihre ersten vier Fragen entschieden mit Ja beantworte. Auch unsere Wirtschaft soll achtsamer werden und auf alle Menschen, insbesondere auf Menschen mit Hilfsbedarf, Rücksicht nehmen und sie integrieren. Ebenso muss auch der Umgang mit der Natur achtsamer gestaltet werden.

 

In Frage 5 fragen Sie, wie ich mich für die notwendigen Voraussetzungen für barrierefreie Lernangebote und Medien einsetzen werde. Ich bin kein Experte in barrierefreiem Lernen für Blinde und Sehbehinderte. Aber ich werde mich dafür einsetzen, dass Sie als Verband und Vertreter der Blinden und Sehbehinderten hier direkt mitbestimmen können. Denn das Prinzip der Schwarmintelligenz geht davon aus, dass die Betroffenen die wirklichen Experten sind. Ich würde mir dann sehr wünschen, dass Sie unter allen Ihren betroffenen Mitgliedern eine Umfrage machen und sie bitten, konkrete Maßnahmen vorzuschlagen um barrierefreies Lernen zu ermöglichen, und dann abzustimmen, welche Maßnahmen sie für die dringendsten und wichtigsten halten. Dass die so ausgewählten Maßnahmen dann auch umgesetzt werden, entspricht nur Art. 1 GG, denn zur Würde des Menschen gehört es auch, sich weiterbilden und so gut es möglich ist am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.



Ähnliches gilt auch für Frage 6. Welche Vorschläge haben Sie, welche Maßnahmen oder Anreize für Arbeitgeber schlagen sie vor? Sie als Vertreter der Blinden und Sehbehinderten haben die Erfahrungen, Sie sind unser erster Ansprechpartner, um Politikvorschläge zu entwickeln. Dann nur Sie kennen die Probleme und Unzulänglichkeiten aus der Praxis heraus.

 

Ich möchte hier nicht irgendetwas hinschreiben und versprechen, was dann im Alltag eh wieder untergeht. In 20 Jahren kommunalpolitischer Erfahrung habe ich erlebt, wie schnell inhaltliche Versprechen wieder vergessen sind. Genau aus diesem Grunde engagiere ich mich in der Partei dieBasis, weil ich eben mit den Betroffenen sprechen will und ihre Vorschläge hören und bestmöglich umsetzen, statt mit angeblichen Experten, die sich am Ende vor allem als Bedenkenträger zeigen. Deshalb orientiert sich dieBasis immer an der Meinung und den Bedürfnissen der Betroffenen.

 

Sie als Vertreter der Blinden und Sehbehinderten sind ja nur ein Beispiel für Gruppen von Menschen, die durch Einschränkungen, Behinderungen oder Schicksalsschläge besondere Bedürfnisse haben. Dazu zählen auch die Menschen mit Hör-Einschränkungen, Elektrosensible, Gehbehinderte und viele mehr. Ich bin der Auffassung, dass es die oberste und hauptsächliche Aufgabe des Staates ist, insbesondere für diese Gruppen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, zu dem selbstverständlich auch die eine umfassende gesellschaftliche Teilhabe gehört. Um diejenigen, die selbst für sich sorgen können, muss sich der Staat ja weniger kümmern.

 

Weitere Informationen zur Partei dieBasis finden Sie auf der Webseite www.diebasis-bw.de.

 

Mit freundlichen Grüßen aus Südbaden

 

Dietmar Ferger

DIE LINKE Wahlkreis 58 Lörrach - Joerg-Uwe Sanio

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrter Herr Schäfers, sehr geehrter Herr Knebel,

 

zu Ihren Fragen möchte ich mich wie folgt äußern:

 

1.  barrierefreier Zugang zu Informationen!

Die Corona-Einschränkungen haben uns den hohen Stellenwert und die Defizite bei der Barrierefreiheit der Digitalisierung deutlich gemacht. Trotz gesetzlicher Vorgaben sind leider noch immer viele Internetseiten und Apps öffentlicher Stellen in Baden-Württemberg für blinde und sehbehinderte Menschen nicht barrierefrei nutzbar. Wir fordern daher eine zügige Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben. Bei Neuausschreibungen ist Barrierefreiheit ins Pflichtenheft aufzunehmen. Selbstverständlich müssen trotzdem weiterhin analoge Alternativen, wie z. B. Telefonhotlines für Auskunft und Anmeldung, aufrechterhalten werden, damit auch ältere Menschen mit Behinderungen nicht abgehängt werden.

Werden Sie sich für den barrierefreien Informationszugang einsetzen?

DIE LINKE fordert sowohl auf Bundesebene als auch auf den Länderebenen einen uneinge-schränkten Informationszugang im Sinne der gleichen Teilhabe für alle Menschen.

Barrierefreiheit von Informations- und Kommunikationsangeboten bzw. -diensten, etwa für Menschen mit Sehbehinderung ist ein zentraler Pfeiler für die gleiche Teilhabe aller Menschen an demokratischen Meinungsbildungs- und Diskussionsprozessen und für eine eigenständige Existenz.

Die mediale Barrierefreiheit ist derzeit insbesondere in § 10 das Landes-Behindertengleichstellungsgesetz geregelt. Darin heißt es, dass öffentliche Stellen im Einzelfall von einer barrierefreien Gestaltung ihrer medialen Angebote absehen können, wenn dies zu einer „unverhältnismäßigen Belastung“ führt. Damit wurde ein Schlupfloch gelassen, mit dem sich Medienanbieter einfach aus ihrer Verpflichtung zur Barrierefreiheit stehlen können. Als LINKE wollen wir derartige Schlupflöcher schließen. Zudem sind die im Medienstaatsvertrag 2020 getroffenen Beschlüsse zur Barrierefreiheit von Informationsdiensten zu unkonkret und wenig verbindlich. Für den kommenden Medienstaatsvertrag wollen wir uns für deren Konkretisierung in Abstimmung mit den Fachverbänden einsetzen. Außerdem braucht es endlich eine bessere Finanzierung für barrierefreie Medien- und Informationsangebote.

 

2.  Umsetzung der Europäischen Barrierefreiheitsrichtlinie in nationales Recht!

Ab dem Jahr 2022 sollen die Vorgaben der Europäischen Barrierefreiheitsrichtlinie (European Accessibility Act -EAA) in Deutschland in nationales Recht umgewandelt werden. Die Legislative auf Bundes-und auch auf Landesebene muss bis dahin ein Gesetz zur Umwandlung der EU-Richtlinie in nationales Recht schaffen.

Werden Sie diese Umsetzung begleiten und könnten Sie sich vorstellen, über die Mindestvorgaben der EU-Richtlinie hinaus weitere barrierefreie Elemente im Online-Handel für Verbraucherinnen und Verbraucher zu schaffen?

Die Umsetzung der Europäischen Barrierefreiheitsrichtlinie in nationales Recht ist ein wichtiger Schritt zur Verpflichtung der Wirtschaft, Güter und Dienstleistungen nach konkreten funktionalen Barrierefreiheitsanforderungen zu gestalten. DIE LINKE wird diesen Prozess kritisch gestalten und kann sich vorstellen, auch über die Richtlinie hinausgehende Forderungen zu stellen. Hier sind noch eingehendere Gespräche mit den verschiedenen Verbänden bzw. Interessenvertretungen zu führen.

 

3.  Bauliche Barrierefreiheit und Mobilität!

Baden-Württemberg bekennt sich zu einer inklusiven Gesellschaft. Grundvoraussetzungen hierfür sind Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und ein entsprechend ausgebauter ÖPNV, auch im ländlichen Raum. Denn nur so können blinde und sehbehinderte Menschen, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, selbständig mobil sein. Ebenso wichtig ist der barrierefreie Zugang zu allgemein genutzten privaten Einrichtungen (z.B. Arztpraxen, Apotheken, ...).

Werden Sie sich für einen schnellen weiteren barrierefreien Ausbau von Infrastruktur und Fahrzeugen sowie ausreichende Angebote einsetzen?

Mobilität ist Bewegungsfreiheit und eine wichtige Voraussetzung, um am gesellschaftlichen Le-ben teilzunehmen. DIE LINKE fordert in ihrem Landtagswahlprogramm die Einführung eines kostenfreien ÖPNV für alle und setzt sich für verlässliche Verbindungen ein, die garantieren, dass jeder Ort mindestens stündlich angefahren wird.

Aus Sicht der LINKEN muss der Ausbau des ÖPNV die Barrierefreiheit sicherstellen. Umbauten alter Strecken und Haltestellen müssen stärker als bisher in den Fokus genommen werden. Insbesondere Umsteigehaltestellen müssen umgebaut werden. Eine Ausstattung der Haltestellen und Fahrzeuge mit akustischen Signalen und die Förderung der Entwicklung von entsprechenden Apps sind weitere Elemente. Das Technikland Baden-Württemberg hängt hier hinterher, das ist nicht hinnehmbar. Inklusion und der inklusive Umbau unserer Gesellschaft muss zur Norm werden und darf nicht als Kür oder Luxus verstanden werden.

 

4.  Erhaltung und Verbesserung der finanziellen Nachteilsausgleiche!

Die Landesblindenhilfe als wichtiger Nachteilsausgleich für blinde Menschen ist in Baden-Württemberg im Gegensatz zu den anderen Bundesländern seit 1997 nicht mehr erhöht worden. Deshalb fordern wir eine angemessene Erhöhung und künftige Dynamisierung, um Kaufkraftverluste auszugleichen. Weiterhin fordern wir, wie z.B. in Bayern, die Einführung eines Sehbehindertengeldes für hochgradig sehbehinderte Menschen.

Werden Sie sich hierfür einsetzen?

DIE LINKE fordert bundesweit einheitliche, bedarfsgerechte und  einkommens- sowie vermö-gensunabhängige Teilhabeleistungen für Menschen  mit Behinderungen. Dazu gehört auch eine Pauschale wie ein anrechnungsfreies Teilhabegeld, mit denen mit der Einschränkung verbundene finanzielle Nachteile ausgeglichen werden. Dies schließt ein Sehbehindertengeld für Menschen mit einer hochgradigen Sehbehinderung mit ein.

 

5.  Voraussetzungen für inklusive Bildung herstellen!

Hierfür ist ein gleichberechtigter Zugang aller Schülerinnen und Schüler zu Lernplattformen und Bildungsangeboten notwendig. Deshalb fordern wir eine barrierefreie Bildungsplattform sowie barrierefreie digitale Lernangebote und Medien.

Wie werden Sie sich für die notwendigen Voraussetzungen einsetzen?

DIE LINKE betont in ihrem Landtagsprogramm: Bildung ist ein Menschenrecht und sollte Ge-meinschaftsaufgabe sein. Wir setzen uns für die Stärkung der Kinderrechte ein und befürworten die Einfügung der UN-Kinderrechte in die Landesverfassung. Wir wollen ein zukunftsorientiertes und auf Kooperation ausgelegtes Bildungssystem. Eines, das unabhängig von sozialem Hintergrund, Herkunft oder geistiger sowie körperlicher Leistungsfähigkeit individuell fördert. Bildung muss barrierefrei sein. Eine gute Bildung muss allen zustehen.

Zur umfassenden Barrierefreiheit im Bildungsbereich gehört neben dem barrierefreien Nahverkehr Heil­ und Hilfsmittel, die vor Ort bereitstehen müssen, sowie geeignete Lehr- und Lernmittel. Es gehört auch die Ausstattung der Schulen und der Lernenden mit den notwendigen Lehr- und Lernmitteln dazu, die für die Lernenden kostenfrei zur Verfügung stehen müssen – vom Schulbuch bis zum digitalen Endgerät. Hilfsmittel und Barrierefreiheit müssen nicht nur für die Zeit des Unterrichts an der Pflichtschule, sondern auch für Nach-mittagsangebote, die Freizeitangebote und Bildungsangebote darüber hinaus zur Verfügung stehen. Gerade in der aktuellen Zeit des Homeschoolings ist das Funktionieren und die Zu-gänglichkeit von Bildungsplattformen eine Grundvoraussetzung für den Zugang zur Bildung.

 

6.  Erfolgreiche Inklusion in die Arbeitswelt schaffen!

Blinde und sehbehinderte Menschen sind oft auch bei guter Qualifikation leider noch immer überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen.

Wie wollen Sie Anreize für Unternehmen schaffen, sich inklusiv zu öffnen?

Um sich inklusiv zu öffnen, müssen Unternehmen verpflichtet werden, bei geeigneter Qualifikation Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen. Von Unternehmen, die keine oder nicht ausreichend behinderte Menschen beschäftigen, wollen wir eine Ausgleichsabgabe erheben, die sogar über den Kosten der möglichen Arbeitsplätze liegen könnte. Denkbar ist auch eine Staffelung.

Große Unternehmen, die eine Beschäftigungsquote von unter 2 % vorweisen, könnten deutlich stärker belastet werden. Mit diesen Geldern wollen wir Beschäftigung von schwer-behinderten Menschen durch Zuschüsse – etwa für etwaige Umbauten – verbessern. Die derzeit gesetzlich vorgegebene Quote von 5 %, die Unternehmen ab 20 Beschäftigten mit Schwerbehinderten besetzen müssen, wird selbst im öffentlichen Sektor nicht immer erreicht, in der Privatwirtschaft sieht es noch schlechter aus. Der öffentliche Sektor lag 2017 mit 6,5 % zumindest in seiner Ganzheit noch darüber, die Privatwirtschaft kam gerade einmal auf 4,1%. Mit der längst überfälligen Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 wurden bei der Umsetzung von Inklusion auf dem Arbeitsmarkt überwiegend „bewusstseinsbildende Maßnahmen“ umgesetzt, auf die überproportional hohe Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung hatte dies aber nur wenige Effekte. Tatsächlich ist die Spanne zwischen Menschen mit und ohne Behinderung, die arbeitslos sind, sogar noch gestiegen. Das zeigt, dass es klare gesetzliche Vorgaben braucht. Hier besteht akuter Handlungsbedarf. Unternehmen, die dies nicht selber leisten können, wollen wir deswegen bei den nötigen Umbauten unterstützen. Klar ist aber auch, dass es hier neben deutlichen gesetzlichen Vorgaben eine kontinuierliche Überprüfung von deren Einhaltung braucht.

Zum Schluss noch etwas in eigener Sache: Die organisierte Blinden-und Sehbehindertenselbsthilfe unterstützt Betroffene und ihre Angehörige in den sechs oben aufgeführten Bereichen, damit diese eine gleichberechtigte Teilhabe auch tatsächlich erreichen können. Ebenfalls unterstützt werden Kommunen, Verkehrsbetriebe, Behörden usw. vor allem bei der Schaffung von baulicher und digitaler Barrierefreiheit, weitestgehend zum Nulltarif. Wir bitten sie daher, künftig für eine angemessene pauschale, unbürokratische und verlässliche Förderung der Selbsthilfe zu sorgen, damit wir dies alles auch künftig weiter leisten können.

 

Bündnis 90 Die Grünen - WK 58 Lörrach - Josha Frey

Sehr geehrter Herr Schäfers, sehr geehrter Herr Knebel,

ich danke Ihnen herzlich für Ihr Schreiben vom 12. Februar 2021, in dem Sie Ihrer Positionen als Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden e.V. zur Landtagswahl 2021 darstellen.
Sie beschreiben, darin auch die wichtige Aufgabe, die Sie als organisierte Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe in Baden-Württemberg wahrnehmen. Seien Sie versichert, dass es der Grünen Landtagsfraktion ein wichtiges Anliegen ist, dass Ihre Arbeit weiter unterstützt wird durch eine angemessene pauschale, unbürokratische und verlässliche Förderung der Selbsthilfe.
Auf Ihrer konkreten Fragen möchte ich wie folgt Stellung nehmen:


1. Barrierefreier Zugang zu Informationen: Werden Sie sich für den barrierefreien Informationszugang einsetzen?
Antwort: Ein großer Teil des gesellschaftlichen Lebens findet heutzutage online statt. Auch hier ist es Anspruch der Grünen, niemanden allein zu lassen. Vor allem wegen der Pandemie-Schutzmaß-nahmen sind viele Anlaufstellen und Serviceleistungen nur digital erreichbar. Dadurch können sie aber nicht alle nutzen. Da sehen wir Nachbesserungsbedarf. Dazu gehört es auch, leicht nutzbare Hard- und Software zu entwickeln und die Hemmschwelle für Nutzer*innen zu senken. Die Produkte sollten an die motorischen und kognitiven Fähigkeiten der Nutzer*innen angepasst sein. Das gehört zum Verbraucherschutz dazu. Für die kommende Legislaturperiode sind die Barriere-freiheit digitaler Angebote – auch die entsprechende Forschung und Entwicklung – und die Medienbildung zentrale Aufgaben in diesem Bereich. Auch den Verbraucherschutz gilt es weiter zu stärken. Hier wird auch das Landeskompetenzzentrum Barrierefreiheit in seinem Handlungsrahmen beraten und unterstützen.

2. Umsetzung der Europäischen Barrierefreiheitsrichtlinie in nationales Recht: Werden Sie diese Umsetzung begleiten und könnten Sie sich vorstellen, über die Mindestvorgaben der EU-Richtlinie hinaus weitere barrierefreie Elemente im Online-Handel für Verbraucherinnen und Verbraucher zu schaffen?
Antwort: Natürlich sind wir Grüne dazu bereit. Es handelt sich dabei allerdings um eine Richtlinie, die zunächst in nationales Recht umgewandelt werden muss. Wir müssen daher zunächst das weitere Vorgehen des Bundes abwarten, um zu sehen, wie sie sich konkret auf die Landesebene auswirkt. Derzeit (Stand Februar 2021) arbeitet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales an dem Entwurf eines Barrierefreiheitsgesetzes. Dieser Entwurf muss bis Juni dieses Jahres abgestimmt und beschlossen werden, bevor die Legislatur auf Bundesebene endet.

3. Bauliche Barrierefreiheit und Mobilität: Werden Sie sich für einen schnellen weiteren barrierefreien Ausbau von Infrastruktur und Fahrzeugen sowie ausreichende Angebote einsetzen?
Antwort: Uns Grünen ist es wichtig, die Grundlagen für eine inklusive Gesellschaft zu legen. Dazu gehört es auch, barrierefreie Räume zu fördern und ausreichend barrierefreie Wohnungen sicherzustellen. Wenn Bauträger mehr Barrierefreiheit verwirklichen, als sie gesetzlich verpflichtet sind, können sie zusätzliche Fördermittel beantragen. Dafür haben wir in dieser Legislatur gesorgt und – trotz politischer Widerstände – die Regeln der Landesbauordnung (LBO) verteidigt. Denn politische Mitbewerber hatten gefordert, die LBO zu ändern. Sie wollten weniger Verpflichtungen beim Bau von barrierefreien Wohnungen – wegen angeblich nicht tragbaren Baukosten. Dies konnten wir abwenden. Dank unserer Initiative kann nun auch das Landeskompetenzzentrum Barrierefreiheit starten, das unter anderem in baurechtlichen und technischen Fragen berät. So trägt es zu einem inklusiven Lebensumfeld bei, das niemanden ausschließt und von allen Bürger*innen gleichermaßen genutzt werden kann. Öffentliche Verkehrsmittel müssen barrierefrei zugänglich und nutzbar sein. Gerade in ländlichen Regionen ist ein barrierefreier und niederschwelliger Zugang zur Mobilität allerdings nicht immer gegeben. Dies ist aber unerlässlich, um soziale und kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Dafür müssen noch zahlreiche Bushaltestellen und Bahnhöfe umgebaut werden. „Barrierefrei“ ist dabei mehr als „stufenfrei“: Barrierefreiheit berücksichtigt beispielsweise auch die Bedürfnisse von Menschen mit Seh-, Hör- und Lernbehin-derungen. Dafür sind ein aussagekräftiges Fahrgastinformationssystem und ein landesweiter Standard wichtig. Auch hier soll das Landeskompetenzzentrum Barrierefreiheit beraten und unterstützen. Als grün-geführte Landesregierung haben wir bereits wichtige Maßnahmen wie das Landesprogramm für Barrierefreiheit im Nahverkehr ergriffen. Wir werden nicht nachlassen, bis alle Bahnhöfe, Bordsteine und Busse barrierefrei sind.

4. Erhaltung und Verbesserung der finanziellen Nachteilsausgleiche: Werden Sie sich hierfür einsetzen?
Antwort: Wir Grüne sind überzeugt: Alle Menschen mit Behinderung müssen mit genügend finanziellen Mitteln für eine Assistenz ausgestattet werden. Grundsätzlich wollen wir eine personenzentrierte Bedarfsbemessung. Das schließt aber nicht aus, spezielle Bedarfe, die eine große Personengruppe teilt, als Pauschale zusammenzufassen.

5. Voraussetzungen für inklusive Bildung herstellen: Wie werden Sie sich für die notwendigen Voraussetzungen einsetzen?
Antwort: Speziell für den schulischen Bereich ist uns wichtig, dass alle Schüler*innen in der digitalen Gesellschaft ihr Leben frei und selbstbestimmt in die Hand nehmen können. Dazu sollen die Schulen sie befähigen. Gemeinsam mit den Schulträgern sorgen wir für eine leistungsfähige digitale Infrastruktur: Alle Schüler*innen und Lehrer*innen müssen bedarfsorientiert mit digitalen
Endgeräten ausgestattet sein. Die Schulen brauchen Breitband und WLAN. Wir entwickeln die Leitperspektive „Medienbildung“ weiter und bauen Mediencurricula auf, die auf die verschiedenen Schularten und Klassenstufen abgestimmt sind. Mit einer guten, digital gestützten Diagnostik können die Lehrkräfte das Lernen individueller und zielgerichteter gestalten. Darüber hinaus schaffen wir auf Landesebene einen interdisziplinären Beratungskreis „Schule digital“. Er soll Bildungsakteur*innen vernetzen, Erfahrungen evaluieren sowie Best-Practice-Bespiele austauschen.

6. Erfolgreiche Inklusion in die Arbeitswelt schaffen: Wie wollen Sie Anreize für Unternehmen schaffen, sich inklusiv zu öffnen?
Antwort: Als Land wollen wir Vorbild für andere Arbeitgeber*innen sein und eine Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung von sechs Prozent erreichen. Wir werden mehr Menschen mit Behinderung in der Landesverwaltung einstellen und geeignete Arbeitsplätze schaffen. Zudem werden wir Landesmittel bereitstellen, um Menschen mit Behinderung beim Übergang aus der Werkstatt auf den ersten Arbeitsmarkt zu unterstützen. Gemeinsam mit den Werkstattanbieter*innen wollen wir die Übergangsquoten deutlich erhöhen und dafür finanzielle Anreize schaffen. Menschen mit Behinderung brauchen oft spezielle Arbeitsplätze, damit sie ihre individuellen Fähigkeiten einbringen und entfalten können. Ein solcher Bereich ist z.B. die Arbeit als sogenannte PeerBerater*innen. Sie lotsen andere Menschen mit Behinderung durch verschiedene Lebensbereiche. Sie zeigen Wege auf, berufliche Chancen zu ergreifen und gesellschaftliche Teilhabe wahrzunehmen. Noch immer schrecken viele Arbeitgeber*innen davor zurück, Menschen mit Behinderungen einzustellen. Wir Grüne werden gemeinsam mit anderen Akteur*innen ein Programm in Baden-Württemberg auflegen und eine Aufklärungskampagne für Arbeitgeber*innen starten. Unser Ziel ist es, diese Ängste und Befürchtungen abzubauen.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort gedient zu haben und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Josha Frey, MdL